Am vergangenen Samstag (14.05.2022) fand die Motorrad-Demo gegen die Streckensperrung im Feldberggebiet statt. Leider wird die Demo in den Medien zum Teil etwas falsch dargestellt oder heruntergespielt, denn man hat definitiv ein starkes Zeichen gesetzt und einigen auch die Augen etwas weiter geöffnet.

Am vergangenen Samstag (14.05.2022) fand die Motorrad-Demo gegen die Streckensperrung im Feldberggebiet statt. Leider wird die Demo in den Medien zum Teil etwas falsch dargestellt oder heruntergespielt, denn man hat definitiv ein starkes Zeichen gesetzt und einigen auch die Augen etwas weiter geöffnet.

 

Warum wurde demonstriert?

Zitat u.a. Stern.de: Grund für die Demonstration war die Entscheidung des Hochtaunuskreises, bis Oktober einzelne Strecken im Feldberggebiet am jeweils zweiten Wochenende eines Monats versuchsweise für Motorräder zu sperren – um starkem Lärm und Unfallzahlen entgegenzuwirken.

Dieser Textauszug ist wortwörtlich so in mehreren Berichten über die Demo zu finden. Klingt eigentlich ja gar nicht so dramatisch, oder? Vor allem wenn man hier mit starkem Lärm und Unfallzahlen argumentiert. In Wirklichkeit sieht die Situation allerdings doch etwas anders aus.

Bereits 2019 wurden die Strecken L3004 ab Ortstafel Oberursel bis Ortstafel Schmitten, L3276 ab Sandplacken bis Oberreifenberg und L3024 ab Sandplacken bis kurz vor der Feldbergzufahrt als Verkehrsversuch für 2x 9 Tage gesperrt. Man wollte damit herausfinden, wie sich das auf Verkehrslärm und Unfallzahlen auswirkt. Die gesammelten Daten waren aber scheinbar nicht gerichtsfest und ergaben nicht das gewünschte Ergebnis, weswegen 2022 ein weiterer Verkehrsversuch gestartet wurde.

 

In diesem Jahr sind die betroffenen Strecken an jedem zweiten Wochenende des Monats für Motorräder gesperrt. Das Ganze wird als Verkehrsversuch deklariert, da man dagegen nur schwer gerichtlich vorgehen kann. Das Ziel ist allerdings klar, man möchte eine dauerhafte Sperrung der Strecken für Motorräder erreichen und dass, obwohl die Unfallzahlen schon länger rückläufig sind und auch der sogenannte „Motorradlärm“ zurückgegangen ist.

Der Verdacht „testen, bis das Ergebnis passt“ drängt sich auf. Außerdem wird hier auch nur das härteste Mittel getestet. Wenn man eine Strecke nicht mehr nutzen darf, dann ist es wohl klar, dass hier „weniger“ Unfälle passieren und die „Lärmemissionen“ zurückgehen!?

Dabei gibt es noch zahlreiche mildere Mittel, die werden in der Feldbergregion allerdings scheinbar gar nicht in Betracht gezogen, obwohl es eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist alle milderen Mittel einzusetzen, bevor eine Strecke gesperrt wird!

Dazu kommt auch noch, dass es sich bei den Strecken zum Teil um wichtige Verbindungstraßen handelt, die ansonsten einen Umweg von 30 km fordern.

 

Interessante Redebeiträge

Götz Rinn von den FDP Bikern sprach in erster Linie als direkter Anwohner der betroffenen Strecken und als begeisterter Motorradfahrer. Er sieht die Streckensperrung als Diskriminierung an und den Begriff „Lärmpausen“ als diffamierend.

Dr. Stefan Naas von der FDP ist der Meinung, dass der Taunus für alle da sein sollte und man gemeinsam weiterkämpfen sollte, damit der Fall am Feldberg kein Beispiel für ganz Deutschland wird. „Nicht die Freiheit muss begründet werden, sondern die Einschränkung der Freiheit muss begründet werden… und die Einschränkung wird hier schlecht begründet, die wird nämlich gar nicht begründet“.

Renzo Sechi von den freien Wählern fährt gerne auch mit dem Motorrad auf den Feldberg. Er wies darauf hin, dass er trotz der Koalition mit der CDU und der SPD gegen eine Streckensperrung in der Region ist. Er sagte, die Verkehrsversuche wurde durch die Verkehrsbehörde angeregt und nicht durch die Politik. Als Lösung schlägt er die Einführung von sogenannten Lärmblitzern vor, die gerade in Frankreich getestet werden.

Johannes Loesch entgegnete Renzo Sechi, dass Lärmblitzer in Deutschland gar nicht einsetzbar wären und man dafür zuerst eine Halterhaftung einführen müsse, die keine haben will. Außerdem verwies er auch auf die offizielle Pressemitteilung der Koalition, die erst vor ein paar Tagen veröffentlicht wurde, dort hat man sich ganz klar für die Sperrung für Motorräder ausgesprochen. In der Reaktion ging Renzo Sechi allerdings nur auf das Thema Lärmblitzer ein.

Michelle Götz wies auf die wenigen Anwohner an der Strecke hin. Für die Anwohner in Oberursel Hohemark hatten sie sogar einen Lösungsvorschlag, der auch als Verkehrsversuch durchgeführt werden sollte. Sie wollten Lärmschutzzonen einführen, also die 50er-Begrenzung auf ein Stück vor und nach dem Ortsschild erweitern. Dies wurde allerdings von behördlicher Seite abgelehnt, mit dem Hinweis, dass diese Strecke nicht so sehr von Lärm belastet sei, dass man so etwas einführen müsse. – Aber komplett sperren möchte man scheinbar…

Nur einen Tag vor der Demo trat Barbara Heinrich aus dem Kreisvorstand der Freien Wähler aus. Grund dafür war die Pressemitteilung der Koalition, in der man sich für die Sperrung ausgesprochen hatte. Da sie das nicht mittragen konnte, zog sie diesen Schlussstrich.

 

Das waren nur kurze Auszüge von ein paar Rednern. Im Videobericht sind diese in voller Länge zu finden (wird heute um 18 Uhr veröffentlicht und dann auch hier eingebunden)

 

Motorrad-Korso kleiner als erwartet?

So titelt zumindest die Frankfurter Allgemeine und nennt etwa 880 Motorradfahrer, die sich in der Benzstraße in Bad Homburg trafen und dann im gemeinsamen Korso hoch zum Sandplacken fuhren. Grundsätzlich ist das nicht mal falsch, es vermittelt allerdings doch ein etwas falsches Bild.

Viele Teilnehmer der Demo nahmen gar nicht an dem Korso teil und fuhren direkt zum Sandplacken, wo die Kundgebungen abgehalten wurden. Dort schätz man die Zahl auf ca. 1.600 Teilnehmer. Wie bei jeder bisherigen Motorraddemo blieb natürlich alles friedlich und es gab keinerlei Beanstandungen der Polizei.

Angemeldet hatten die Veranstalter ca. 3.000 Motorradfahrer. Eine grobe Schätzung muss bereits bei der Anmeldung der Veranstaltung genannt werden, damit man sich entsprechend darauf vorbereiten kann. Dass man sich hier etwas verschätzt hat, bedeutet allerdings nicht, dass die Demo ein Misserfolg war.  

 

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