Die Universität Bournemouth hat in Zusammenarbeit mit DocBike Motorradunfälle untersucht und dabei herausgefunden, dass Autofahrer und Motorradfahrer unterschiedliche Dinge im Straßenverkehr wahrnehmen.

Die Universität Bournemouth hat in Zusammenarbeit mit DocBike Motorradunfälle untersucht und dabei herausgefunden, dass Autofahrer und Motorradfahrer unterschiedliche Dinge im Straßenverkehr wahrnehmen.

 

Sie sehen völlig unterschiedliche Dinge

Die Unterschiede in der visuellen Aufmerksamkeit können sehr ausgeprägt sein, so dass Autofahrer und Motorradfahrer zum Teil völlig unterschiedliche Dinge sehen, obwohl sie auf der gleichen Straße fahren.

Die neurologischen und kognitiven Einflüsse von Motorrad- und Autofahrern wurden untersucht. Laut den Daten scheint das Gehirn größere Objekte, z.B. Lastwagen, als natürliche Bedrohung anzusehen. Kleinere Objekte, wie Motorräder, Fahrräder oder Fußgänger werden als weniger bedrohlich erachtet und können daher schneller „übersehen“ werden. Dabei kommt es aber auf den „Blickwinkel“ an, denn das Beispiel bezieht sich auf PKW-Fahrer. Motorradfahrer registrieren bereits kleinere Objekte als Bedrohung.

Auto- und Motorradfahrer haben unterschiedliche visuelle Aufmerksamkeitsmuster, was auf die verschiedenen Gefahren je nach Fahrzeugtyp zurückzuführen ist. Die Wahrnehmung wird aber auch durch das Wissen über potenzielle Risiken und je nach Motorrad-Erfahrungsgrad beeinflusst.

 

Bei der Studie wurden Teilnehmer mit unterschiedlichem Fahrkönnen untersucht. Es gab vier Hauptteile:

  • Ermittlung von Fahrpraxis, Ausbildung und Jahreskilometerleistung
  • Fragebögen zur allgemeinen Risikobereitschaft und zum Bedürfnis nach Nervenkitzel
  • Eye-Tracking durch das Betrachten von Videos und Bildern von Straßen mit einer hohen Anzahl von Motorradkollisionen
  • Optionales halbstrukturiertes Interview für Motorradfahrer

 

Doktorantin und Leiterin des Projekts, Silvia Shel: „Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass durch das Verständnis des Wissens von Motorradfahrern und der Identifizierung von Risiken eine bessere Information über Schulungen und Materialien möglich ist, die Motorradfahrer ansprechen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Motorradfahrer keine Schulung über das Motorradfahren benötigen, aber von größeren Fähigkeiten profitieren würden, die Straße und andere Verkehrsteilnehmer zu lesen.“

-Es könnte also sehr viel bringen, Motorradfahrern beizubringen, wie man potentielle Gefahren besser erkennen könnte.

 

Wie / warum Biker übersehen werden können

Eigentlich kann man es sich nicht vorstellen, ein komplettes Motorrad inkl. Fahrer im Straßenverkehr übersehen zu können. In der Praxis kommt es aber sehr oft vor.

  • Das Auge verfügt über einen blinden Fleck, der auch ganze Motorräder verschlucken kann.
  • Es kann auch durch eine sakkadische Maskierung passieren. Das bedeutet, dass das Gehirn bei einer Augenbewegung die „Bewegungsunschärfe“ herausfiltert und eine Lücke in der Wahrnehmung versteckt, so dass sie für „den Betrachter“ nicht erkennbar ist. – Kurz gesagt, schaut man sich um, gibt es Lücken in der Wahrnehmung, die man gar nicht bemerkt.
  • Die Evolution hat uns so trainiert, dass unser Fokus auf mögliche Gefahren gelenkt wird, was im Straßenverkehr große Objekte wie LKWs oder Busse bedeutet. Motorräder fallen so aus dem Fokus, vor allem wenn sich in unmittelbarer Nähe ein größeres Objekt befindet.
  • Problematisch ist auch, dass die Geschwindigkeit von Motorrädern aufgrund der geringen Größe nur sehr schwer einzuschätzen ist.
  • Wie schon erwähnt gibt es noch die Problematik des Wissenstands oder des Lerneffekts. Aber nicht nur in Bezug auf das Fahrkönnen von Bikern, die Gefahren besser erkennen können, wie schon erwähnt. Auch Autofahrer rechnen im Sommer eher mit einem kreuzenden Motorradfahrer, als zum Beginn der Saison. Die anderen Verkehrsteilnehmer müssen sich also nach dem Winter erst wieder an Motorradfahrer als weitere Verkehrsteilnehmer gewöhnen.

 

Wie kann man schließlich besser gesehen werden?

Das Tragen von Warnwesten oder auffälliger Schutzkleidung kann helfen, kann nach einer Zeit aber auch die Wirkung verlieren – vor allem wenn die Kleidung nicht mehr ungewöhnlich ist. Jacken in Warnwestenoptik sind mittlerweile Standard auf jeder Baustelle.

Es ist zu empfehlen, in bestimmten Situationen durch die Fahrweise die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dabei kann es schon reichen an einer Kreuzung die gefahrene Linie etwas schräg zur Straßenmitte hin zu verändern. Auch leichte Schlangenlinien können im Stadtverkehr verhindern, dass einem die Vorfahrt genommen wird. Aber so bitte nur kurz und situationsbezogen fahren, da Schlangenlinien-Fahren ggf. eine Ordnungswidrigkeit darstellen kann, auch wenn man die eigene Fahrspur nicht überschreitet.

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1 comment

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  • 1. Ich habe nie Vorfahrt! Das garantiert, dass ich aufmerksam bleibe.
    2. Blickkontakt immer suchen. Ab und an mal das Aufblendlicht antippen.
    3. Wenn Situation nicht klar ist adäquat verzögern und Blickkontakt suchen.
    4. Ein bis zwei Rennstreckentage pro Jahr buchen. Wer mit über 200kmh verzögern kann, macht dies auch rigorös mit 80- oder 50kmh.
    5. Innerorts nie überholen, da zuviele Zufahrten die Gefahr nicht gesehen zu werden überproportional erhöhen.
    6. Motogymkhana Kurs absolvieren. Jeder der das einigermassen kann, wird im Regen immer Spass am Fahren haben. Man lernt ausserdem den Blick vom Fahren zu entkoppeln.
    Fahrer: 25’000 km/Jahr. Regelmässig auf der Renne anzutreffen. Hartnäckiger Alljahresfahrer. Ü50.

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