Trotz der positiven Bilanzzahlen blieb das operative Geschäft deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Der Konzernumsatz brach im Halbjahresvergleich um 57,8 Prozent auf 425 Millionen Euro (ca. 464 Mio. US-Dollar) ein – eine direkte Folge des sechsmonatigen Produktionsstopps in Österreich und einer strategisch gedrosselten Auslieferung neuer Modelle. Das EBITDA liegt aufgrund des Sanierungseffekts bei 1,003 Milliarden Euro, das EBIT bei 930 Millionen Euro. Das Periodenergebnis beträgt 739 Millionen Euro.
Ursache für den Milliardengewinn: Sanierung der KTM-Gruppe
Die Kernursache des positiven Ergebnisses liegt in der erfolgreichen insolvenzrechtlichen Sanierung der KTM AG und zweier Tochtergesellschaften. Die vereinbarte Quote von 30 Prozent wurde vollständig bedient, was rechnerisch zu einem Sanierungsgewinn in Höhe von 70 Prozent der anerkannten Forderungen führte – das entspricht den genannten 1,187 Milliarden Euro. Damit wurde nicht nur das Eigenkapital wieder ins Plus gedreht, auch die Nettoverschuldung sank deutlich: von 1,643 Milliarden Euro Ende 2024 auf 756 Millionen Euro per 30. Juni 2025 – ein Rückgang von 54 Prozent.
Zur finanziellen Stabilisierung trugen auch ein Darlehen von Bajaj Auto International Holdings BV in Höhe von 450 Millionen Euro sowie ein Gesellschafterdarlehen der Pierer Bajaj AG über 350 Millionen Euro bei. Parallel dazu konnten durch einen globalen Lagerabbau rund 166 Millionen Euro an Liquidität freigesetzt werden.
Produktion läuft wieder – operativer Turnaround im Fokus
Nach der Zwangspause aufgrund eingeschränkter Liquidität und strategischer Entscheidungen zur Effizienzsteigerung wurde die Motorradproduktion bei KTM in Österreich Ende Juli 2025 auf allen vier Fertigungslinien wieder aufgenommen. Der vorübergehende Produktionsstopp war Teil des Sanierungskonzepts und half, Lagerbestände abzubauen und Kapital zu schonen. Die Zahl der Mitarbeiter sank im Jahresvergleich um rund 1.721 Personen auf 4.303 Beschäftigte – zusätzlich reduzierte der Verkauf von MV Agusta den Personalstand um etwa 220 Personen.
Trotz des Produktionsstopps verzeichneten die Händler weltweit erfreuliche Verkaufszahlen: Über 100.000 Motorräder wurden an Endkunden ausgeliefert. In Summe wurden 85.284 Fahrzeuge verkauft, davon 34.950 über den Partner Bajaj Auto – ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr in diesem Bereich. Die starke Nachfrage insbesondere in Indien unterstreicht die Bedeutung der strategischen Partnerschaft mit Bajaj.
Motorradgeschäft bleibt Kern – Fahrrad wird eingestellt
Die Neuausrichtung der Pierer Mobility AG konzentriert sich künftig ausschließlich auf das Motorradgeschäft. Das Fahrradsegment – inklusive der E-Bike-Marken Husqvarna und GasGas – wird vollständig aufgegeben. Bis Ende 2025 soll der Abverkauf abgeschlossen sein. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Fahrradabsatz noch bei 50.107 Stück, davon 44.860 E-Bikes – ein Plus von 55,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch ging der Außenumsatz im Fahrradbereich um 24,4 Prozent auf 52 Millionen Euro zurück. Operative Verluste konnten mit einem EBITDA und EBIT von jeweils minus 11 Millionen Euro zwar reduziert werden, bleiben aber weiterhin negativ.
Auch die Beteiligungen an MV Agusta sowie dem Supersportwagen-Projekt KTM X-BOW werden veräußert. Die MV-Agusta-Anteile wurden bereits im Juli verkauft. Für den KTM X-BOW wurde eine verbindliche Verkaufsvereinbarung unterzeichnet.
Ausblick: Hoffnung auf operative Erholung ab 2026
Der Vorstand der Pierer Mobility AG erwartet für das Gesamtjahr 2025 einen Umsatz deutlich unter dem Vorjahresniveau. Auch für 2026 geht man von einer weiterhin reduzierten Produktion aus, um die Händlerlager weiter zu entlasten. Die vollständige Wiederherstellung der Lieferketten wird als zentrale Herausforderung betrachtet. Gleichzeitig sollen bereits eingeleitete Effizienzmaßnahmen in den Folgejahren Wirkung zeigen.
Ein operativ positives EBITDA wird für 2026 angestrebt, während auf EBIT-Ebene erst 2027 wieder schwarze Zahlen erwartet werden. Dank getätigter Investitionen sieht sich der Konzern hinsichtlich seiner Produktionskapazitäten für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Gleichzeitig soll das Investitionsvolumen bis zum Erreichen nachhaltiger Profitabilität zurückgefahren werden, ohne die Substanz des Unternehmens zu gefährden.
Fazit
Das Halbjahresergebnis der Pierer Mobility AG spiegelt vor allem den erfolgreichen Sanierungsprozess der KTM-Gruppe wider. Trotz der optisch starken Bilanzzahlen bleibt das operative Geschäft unter Druck. Der Fokus liegt nun klar auf dem Motorradsegment, während verlustreiche Randbereiche aufgegeben werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich der Turnaround auch jenseits der Buchhaltung realisieren lässt.


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