- Marc Marquez trainiert auf einer Ducati Panigale V2 in Aragon, um sein Fahrgefühl wiederzufinden
- Ducati rüstet mit neuer Heck-Aerodynamik nach und orientiert sich dabei an Aprilia
- Maverick Viñales muss nach einer lockeren Schraube in der Schulter auf ein Comeback in Jerez hoffen
Die erzwungene Rennpause nach der Verschiebung des Doha-Events wegen des Nahost-Konflikts bringt die MotoGP-Protagonisten in eine ungewohnte Situation. Statt im Rennrhythmus zu bleiben, müssen die Fahrer die Wochen bis zum Grand Prix von Jerez (24. bis 26. April) mit privatem Training überbrücken. Während die einen an sich selbst arbeiten, kämpfen andere mit Verletzungen oder technischen Umbrüchen. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Tage.

Marc Marquez sucht das verlorene Gefühl auf der Panigale V2
Es klingt zunächst paradox: Der amtierende MotoGP-Champion steigt von seinem Werks-Prototyp auf eine Ducati Panigale V2 um, ein Supersport-Motorrad mit deutlich weniger Leistung, weniger Aerodynamik, weniger allem. Doch genau das ist der Plan. Marc Marquez nutzt die Rennpause, um im MotorLand Aragon auf der Kart-Strecke Runden zu drehen. Nicht auf dem Grand-Prix-Kurs, sondern auf dem engen, technischen Kart-Layout.
Der Hintergrund: Marquez ist mit dem bisherigen Saisonverlauf unzufrieden. Nach drei Rennen steht der neunfache Weltmeister auf Rang fünf der Gesamtwertung mit 45 Punkten, ein Sprintsieg steht zu Buche, aber kein Podium in einem Hauptrennen. Besonders die Anfangsphase der Rennen bereitet dem 33-Jährigen Probleme. Wenn die Reifen frisch sind und das Motorrad mit vollem Tank am aggressivsten reagiert, kann Marquez derzeit nicht sein volles Potenzial abrufen.
„Myself is missing, not the bike“, sagte Marquez nach seinem fünften Platz beim US Grand Prix, bei dem er zudem eine Long-Lap-Penalty überwinden musste. „In the first laps when the tyres are new, the bike becomes more aggressive, and I can’t ride well at the moment.“ Er selbst sei es, an dem es fehle, nicht das Motorrad. In den ersten Runden, wenn die Reifen neu seien, werde das Bike aggressiver und er könne aktuell nicht gut damit fahren.
Marquez sprach außerdem davon, dass er sich auf dem Motorrad in eine Position begebe, die nicht seine natürliche sei, und dann einfach nur fahre. „Still, I’m fast, but I cannot make the difference“, fügte er hinzu. Er sei zwar weiterhin schnell, könne aber nicht den Unterschied machen. Deshalb wolle er einen Schritt bei sich selbst machen, nicht beim Motorrad.
Die Panigale V2 soll ihm dabei helfen. Ohne die Ride-Height-Devices und die überwältigende Leistung eines MotoGP-Prototyps liefert das einfachere Motorrad ein direkteres Feedback. Marquez hofft auf Klarheit, auf ein Gespür für das Bike, das in der modernen MotoGP-Ära mit ihrer Aero-Lastigkeit manchmal verloren geht. Schon Anfang des Jahres hatte er auf einer Panigale V2 trainiert. Damals endete die Session allerdings mit einem leichten Sturz, ein Zeichen dafür, wie nahe am Limit Marquez auch auf dem Straßenmotorrad unterwegs ist.
Die Osterfeiertage hatte der Champion mit Freundin Gemma und Bruder Alex bei der Familie in seinem Heimatort Cervera verbracht. Von dort ging es direkt auf die Strecke.
Jorge Martin macht Extraschichten im Revier des Champions
Während Marquez in Aragon an sich arbeitet, ist auch MotoGP-Weltmeister Jorge Martin längst wieder im Training. Der Aprilia-Pilot absolvierte seine Runden auf einer Aprilia RS 660 in Menarguens nahe Lleida, ebenfalls auf einer Kart-Strecke. Pikant: Die Anlage liegt nur gut 50 Kilometer nordwestlich von Cervera, also quasi im Revier von Rivale Marquez. Der gebürtige Madrilene Martin hätte es dorthin eigentlich deutlich weiter gehabt als der Lokalmatador.
Die Vorzeichen könnten bei den beiden spanischen Spitzenfahrern unterschiedlicher kaum sein. Martin kommt mit Rückenwind aus Austin. Nach seinem Sprint-Sieg auf dem Circuit of the Americas und dem zweiten Platz im Hauptrennen liegt der 28-Jährige mit 77 Punkten auf Rang zwei der WM-Wertung, nur vier Zähler hinter Leader Marco Bezzecchi. Der Titelverteidiger von 2024 hat sichtlich wieder Lust am Rennsport gefunden und wirkt angestachelt von den jüngsten Erfolgen. Allerdings hat Martin sich bereits für einen Wechsel zu Yamaha entschieden, was in der Szene für Diskussionen sorgt.

Ducati lernt von der Konkurrenz: Neue Heck-Aero und Beinflügel
Im Aerodynamik-Kampf der MotoGP hat Ducati beim US Grand Prix in Austin nachgerüstet. Die Werksmaschinen von Marquez und Pecco Bagnaia erhielten ein neues Heckflügel-Design sowie sogenannte Beinflügel, also am Sitz montierte Winglets hinter den Beinen des Fahrers. Das Vorbild kommt ausgerechnet von der Konkurrenz.
Ducati hatte die moderne Aerodynamik-Ära in der MotoGP 2015 eingeleitet, als die Desmosedici erstmals mit Winglets auftauchte. In den folgenden Jahren war Bologna federführend in der Aero-Entwicklung. Doch bei der Heck-Aerodynamik, die im Gegensatz zur homologierten Front-Verkleidung keinen Entwicklungsbeschränkungen unterliegt, hat sich zuletzt Aprilia als Innovator hervorgetan. Die Marke aus Noale führte zunächst eine Ground-Effect-Verkleidung ein und setzte später auf Beinflügel, also Winglets im Bereich hinter den Beinen des Fahrers. Honda und KTM folgten, und seit Austin zieht nun auch Ducati nach.
Ducati-Teammanager Davide Tardozzi machte keinen Hehl daraus, woher die Inspiration stammt: „It’s obvious that you have to always look at who is leading, and it seems like Aprilia in this moment is performing very well, so why not have a look….“ Es sei offensichtlich, dass man sich an den Führenden orientieren müsse, und Aprilia performe im Moment sehr gut. Warum also nicht hinschauen.
Die neue Aero schien zu funktionieren. Bagnaia berichtete von mehr Stabilität in schnellen Kurven: „I feel that you have more stability in the fast corners. Exiting from the fast corners, I feel more comfortable.“ Er fühle sich beim Herausbeschleunigen aus schnellen Kurven wohler. Allerdings half das nicht gegen den Reifenabbau: Im Sprint kam Bagnaia bis auf eine halbe Runde an den Sieg heran, wurde aber von Jorge Martin auf der Medium-Mischung noch überholt. Im Hauptrennen fiel er von Platz fünf auf Platz zehn zurück.
Bezeichnend: Fabio Di Giannantonio vom VR46-Team wurde als bester Ducati-Fahrer Vierter, und zwar ohne die neue Aerodynamik. Sieben Sekunden vor ihm gewann Bezzecchi auf der Aprilia trotz beschädigter Heck-Aero seinen fünften Grand Prix in Folge. Aprilia-Racing-CEO Massimo Rivola ordnete den Schaden ein: Der fehlende Heckflügel habe Bezzecchis Pace vor allem unter starkem Bremsen beeinträchtigt, das Heck sei leichter, instabiler und schwieriger zu kontrollieren gewesen.
Viñales und die lockere Schraube: OP statt Rennen
Maverick Viñales erlebt eine frustrierende Saison. Der Tech3-KTM-Pilot musste sich nach dem US Grand Prix einer Schulter-Operation unterziehen, nachdem sich eine Schraube gelöst hatte, die im Juli vergangenen Jahres nach einem Sturz am Sachsenring eingesetzt worden war.
Viñales vermutet, dass ein Sturz am letzten Tag des Vorsaisontests in Sepang im Februar den Anfang gemacht hat. „The doctors said maybe in the last corner crash in Malaysia, the screw moved a little bit, and then little by little it started to come out“, erklärte er. Die Ärzte hätten gesagt, dass sich die Schraube durch den Sturz in der letzten Kurve in Malaysia möglicherweise leicht verschoben habe und dann nach und nach herausgekommen sei. Während des Winters habe sich die Schulter eigentlich gut angefühlt und jede Woche besser, auch in Sepang habe er noch keine Probleme gespürt. Es sei nicht so, dass man stürze und die Schraube sofort herauskomme.
Nach dem punktlosen Rennwochenende in Brasilien ließ Viñales schließlich ein CT anfertigen, das die verschobene Schraube offenbarte. Am ersten Trainingstag in Austin versuchte er es noch, brach das Wochenende dann aber ab. Die Streckenbeschaffenheit in Austin habe das Problem besonders deutlich gemacht, überall habe er Schwierigkeiten gehabt. Dr. Charte habe ihm geraten, dass ein erneuter Sturz auf die Schulter ohne vorherige Entfernung der Schraube erhebliche Schäden verursachen könne.
Viñales wurde wenige Tage später operiert und hat nun bis Ende April Zeit, rechtzeitig für den Spanien-Grand-Prix in Jerez fit zu werden. Während seiner Abwesenheit holte Teamkollege Enea Bastianini im Sprint von Austin den ersten Top-3-Platz der Saison für Tech3, nachdem Pedro Acosta nachträglich eine Strafe erhalten hatte.

Yamaha kämpft mit dem V4-Projekt: Miller fühlt sich wie ein Lamm
Abseits der Spitze kämpft Yamaha mit einem der ehrgeizigsten Umbauprojekte der jüngeren MotoGP-Geschichte. Die Umstellung von der bekannten Reihenvierer-Architektur auf einen völlig neuen V4-Motor hat den japanischen Hersteller zunächst weiter zurückgeworfen. Beim US Grand Prix belegten alle vier Yamaha-Piloten die hinteren Plätze, angeführt von Pramac-Neuzugang Toprak Razgatlioglu auf Rang 15.
Jack Miller fand ein drastisches Bild für die Situation auf den langen Geraden von Austin: „We’re trying to open it up [on straight], you’re like a lamb to slaughter a little bit. The stick is peeled off you, every time down the back straight.“ Wenn man aufmache, fühle man sich wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt werde. Man werde auf jeder Geraden regelrecht abgezogen. Im Sprint konnte sich Miller direkt mit einer Ducati aus dem Vorjahr messen, als er mit Franco Morbidelli um Platz 16 kämpfte, verlor das Duell auf der Geraden aber erwartungsgemäß.
Yamaha hatte den V4-Wechsel erst relativ spät im vergangenen Jahr beschlossen und den Umstieg beim Saisonfinale in Valencia offiziell bekanntgegeben. Allein vier fahrfertige Motorräder an den Start zu bringen, war bereits eine logistische Herausforderung. Der neue Motor liegt in Sachen Leistung noch deutlich hinter der Konkurrenz. Werksfahrer Alex Rins erreichte in Austin nur 342,4 km/h im Speed-Trap, fast 6 km/h weniger als die Ducati.
Miller gab sich trotz der schwierigen Lage kämpferisch. Es handle sich um ein laufendes Projekt, und man versuche, das Beste daraus zu machen. Zahlreiche Ingenieure seien nach Japan zurückgekehrt, um die Entwicklung voranzutreiben. Es seien verzweifelte Zeiten, aber die Meisterschaft warte auf niemanden.
Kinigadner: Ohne Motorsport wäre KTM am Ende gewesen
Auch bei KTM ist die Lage nicht unkompliziert, wenngleich sportlich deutlich positiver als bei Yamaha. Pedro Acosta liegt nach drei Rennen auf WM-Rang drei mit 60 Punkten und liefert regelmäßig Spitzenergebnisse. Hinter den Kulissen spart der neue Mehrheitseigentümer Bajaj Mobility AG jedoch konsequent.
KTM-Berater Heinz Kinigadner bestätigte im Gespräch mit Speedweek, dass es auch beim Österreich-Grand-Prix auf dem Red Bull Ring im September keine KTM-Tribüne geben werde. Bereits im Vorjahr sei darauf verzichtet worden. „Letztes Jahr hat es das auch schon nicht gegeben. Wir haben ja mit unseren neuen Besitzern Einsparungen machen müssen. Und wenn du so viele Leute entlassen musst, wie es KTM in den letzten eineinhalb Jahren getan hat, dann kannst du nicht links und rechts Vollgas geben“, erklärte Kinigadner.
Seit Ende 2025 ist die indische Bajaj Mobility AG Mehrheitseigentümer von KTM. Der Sparkurs sei nötig, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Umso wichtiger sei es, dass Bajaj die Bedeutung des Rennsports für KTM verstanden habe. Gott sei Dank haben sie verstanden, dass der Motorsport für KTM überlebenswichtig ist. Ohne am Sonntag zu gewinnen, verkaufst du am Montag wirklich nichts – vor allem im Offroad-Sport ist das der Fall“, so Kinigadner. „Sie haben verstanden, dass wir das brauchen. Darüber sind wir sehr froh, denn das wäre meiner Meinung nach das Ende von KTM in dieser Form gewesen.“
Die Verkaufszahlen geben dem eingeschlagenen Weg offenbar recht. Man verkaufe so gut wie noch nie, sagte Kinigadner. Die Außenwelt habe die schwierige Phase der letzten eineinhalb Jahre bereits hinter sich gelassen.

Blick voraus: Jerez als nächster Prüfstein
Die nächste Gelegenheit, die Kräfteverhältnisse auf der Strecke zu messen, bietet der Gran Premio de España in Jerez de la Frontera vom 24. bis 26. April. Für Marquez ist es ein Heimrennen, für Ducati die Chance, mit der neuen Aerodynamik weitere Erkenntnisse zu sammeln, und für Viñales ein ambitioniertes Comeback-Ziel. Danach folgt der erste offizielle Inseason-Test des Jahres.
Die WM-Tabelle nach drei von 22 geplanten Grands Prix wird von Aprilia-Pilot Marco Bezzecchi mit 81 Punkten angeführt, gefolgt von Teamkollege Jorge Martin mit 77 Zählern und KTM-Fahrer Pedro Acosta mit 60 Punkten. Titelverteidiger Marquez liegt auf Rang fünf mit 45 Punkten, Bagnaias Konto steht bei 25 Zählern auf Platz neun. Es ist noch früh in der Saison, doch die Aprilia-Dominanz stellt sowohl Ducati als auch die übrige Konkurrenz vor erhebliche Fragen.

Häufige Fragen
-
Warum trainiert Marc Marquez auf einer Ducati Panigale V2 statt auf seinem MotoGP-Bike?
Marquez will auf dem einfacheren Motorrad sein natürliches Fahrgefühl wiederfinden. Ohne die komplexe Elektronik und die enorme Leistung eines MotoGP-Prototyps liefert die Panigale V2 ein direkteres Feedback, das ihm helfen soll, seine Probleme in den Anfangsrunden der Rennen zu lösen.
-
Was ist die neue Heck-Aerodynamik von Ducati in der MotoGP 2026?
Ducati hat beim US Grand Prix in Austin ein neues Heckflügel-Design und sogenannte Beinflügel an den Werksmaschinen eingeführt. Diese Aero-Elemente sollen mehr Stabilität in schnellen Kurven bieten. Die Heck-Aerodynamik unterliegt in der MotoGP keiner Homologierung und kann daher frei weiterentwickelt werden.
-
Wann findet der nächste MotoGP-Grand-Prix 2026 statt?
Der nächste Grand Prix ist der Gran Premio de España in Jerez de la Frontera vom 24. bis 26. April 2026. Danach folgt der Grand Prix de France in Le Mans (8. bis 10. Mai) sowie der erste offizielle Inseason-Test der Saison.
-
Warum wurde Maverick Viñales an der Schulter operiert?
Eine Schraube, die nach einem Sturz am Sachsenring im Juli 2025 eingesetzt worden war, hatte sich vermutlich durch einen weiteren Sturz beim Vorsaisontest in Sepang gelöst. Nach erfolglosen Rennwochenenden und einer CT-Untersuchung entschied sich Viñales zur Operation.

- Shoei 12060292Shoei Neotec 2 Klapphelm Blau male







